Trachtenverein D´ Oberländer Reichersbeuern
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Vereinsgeschichte

Am 7. Mai 1905 kamen einige Burschen aus Reichersbeuern zusammen, um über die Gründung eines Trachtenvereins zu diskutieren. Als Berater fungierte dabei der Schuhmacher Anton Bayerstaller aus Bad Tölz, der auf Ersuchen von Hans Reiter, späterer Gerblbauer und Korbinian Würmseer, Gütlerssohn, nach Reichersbeuern gekommen war. Am 13. Mai 1905 gründeten im Neuwirtsnebenzimmer dann 14 Burschen den Verein. Sie gaben ihm den Namen: Gebirgstrachtenerhaltungsverein "d´ Oberländer Reichersbeuern", D´ Oberländer als Beinamen aufgrund der 200-Jahrfeier zum Gedenken an die Sendlinger Mordweihnacht und der gleichzeitigen Enthüllung des Oberlandler Denkmals in Waakirchen. Erster Vorstand war Josef Seiler, Goribauer, Kassier Josef Sixt. Lindnerbauer; Schriftführer Georg Reichart, Molkereibesitzerssohn und Vorplattler Hans Reiter sowie Korbinian Würmseer. Im selben Jahr wuchs der Verein noch auf 41 Mitglieder an.

Verein 1906 mit der gekauften Standarte Um 16 Mark wurde dem Gebirgstrachtenerhaltungsverein "Kirchstoana" Bad Tölz eine Standarte abgekauft, renoviert und auf den Reichersbeurer Verein umgemodelt.

Im Mai 1907 beschlossen die Mitglieder eine Fahne zu kaufen. Für 630 Mark wurde sie von der Firma Auer gefertigt. Ihre Weihe erhielt sie dann unter Beteiligung von 30 Vereinen am 31. Mai 1908 durch Pfarrer Alois Daisenberger. Als Patenverein fungierte Schaftlach-Piesenkam.

1909 stellte der Verein eine Theatergruppe auf, die 1910 eigene Theaterkulissen bekam. Ein Herbergswechsel vom Neuwirt zum Altwirt wurde vollzogen. Da 90 % der männlichen Mitglieder eingezogen waren, kam das Vereinsleben in den Kriegsjahren 1914/18 fast vollkommen zum Stillstand. Acht Männer, alle in den besten Jahren, kehrten aus dem Krieg nicht mehr heim.

1919 lebte aber der Verein, dank Hans Reiter als Vorstand und Sepp Lang als Schriftführer, schnell wieder auf.

1926 übernimmt Sepp Lang von Hans Reiter das Amt des 1. Vorstandes. Hans Reiter wird zum Ehrenvorstand ernannt. Hauptsächlich mit Theaterspielen hält sich der Verein über Wasser. Eine neue Theaterbühne wird eingebaut und am 6. und 7. Sept. 1930 wird zur Feier des 25-jährigen Vereinsbestehens das Theater neu eröffnet.

Bis 1933 ging alles ganz gut. Dann kam aber die große Umstellung. Die Vorstandschaft wird entlassen, die Kasse liquidiert und nur noch genehmigte Theaterstücke dürfen aufgeführt werden. 1935 holen sie Sepp Lang als Leiter der Trachtengemeinschaft, nicht mehr als Vorstand, zurück.

1939 ist es wieder soweit und die meisten Männer des Vereins werden zu den Waffen gerufen. Sieben Tote hat der Verein im Krieg 1939/45 zu beklagen. Am 23.3.1946 war die erste Hauptversammlung nach dem Krieg. Sepp Lang bleibt 1. Vorstand und ihm ist es vor allem zu verdanken, dass der Verein wieder erblühte. Das Theaterspielen stärkte die Finanzen sogar soweit, dass 900 Reichsmark für die neuen Kirchenglocken gestiftet werden konnten. Nicht einfach war es 1948, die 40 Jahre alte Vereinsfahne renovieren zu lassen. Es musste viel mit Naturalien geschmiert werden. 1951 gibt es das erste Mal wieder einen freien Vorstandswechsel. Hans Niggl wird für ein Jahr zum 1. Vorstand gewählt. Sepp Lang, der mit den leidlichen Unterbrechungen im Dritten Reich 25 Jahre Vereinsvorstand war, wird in der nächsten Hauptversammlung zum Ehrenvorstand ernannt.

Ab 1952 übernimmt Sepp Harrer das Amt des 1. Vorstandes. Einen besonders schönen Verlauf nahm, mit über 500 Trachtlern aus 12 Trachtenvereinen, das 50-jährige Stiftungsfest im Juni 1955. 1960 muß Sepp Harrer aus gesundheitlichen Gründen seinen Abschied nehmen. Von da ab leitet Otto Gehr die Vereinsgeschicke. Beim 60-jährigen Gründungsfest half die ganze Organisation nichts. Die Feierlichkeiten fielen buchstäblich ins Wasser.

Die alte Fahne zeigte 1971 wieder starke Zerfallserscheinungen. Wahrscheinlich war die schlechte Nachkriegsware bei der Renovierung 1948 schuld. Durch großzügige Spenden der Mitglieder war es leicht, eine neue Fahne zu finanzieren. Sie konnte 1972 ihre kirchliche Weihe erhalten. Es war ein großes Fest und ein Wiedergelöbnis zum Erhalt und zur weiteren Pflege des Brauchtums im Verein. Das 80-jährige Vereinsgründungsfest 1985 war, trotz schlechter Witterung, wieder ein Beweis, daß die Reichersbeurer eine feste Dorfgemeinschaft bilden und alle zusammenhalten, wenn es gilt, sich für die Heimat und das Brauchtum einzusetzen.

Zum größten Ereignis aber in der Vereinsgeschichte wurde der Gauheimattag am 26./27. Juli 1986 in Reichersbeuern. So eine Großveranstaltung hatte Reichersbeuern bis dahin noch nicht erlebt. Unwahrscheinlich, wie die ganze Organisation klappte, welchen Stellenwert der Trachtenverein im Dorf hat, wie alle zusammenhielten und welche großartige Kulisse zur Darstellung der Trachten und des Brauchtums der ganze Ort bieten konnte.

Anlässlich des 100jährigen Gründungsjubiläums fand 2005 ein Heimatabend statt und der Gauheimattag wurde wie 1986 wieder in Reichersbeuern begangen. Auch diesmal half die Dorfgemeinschaft zusammen und so konnten sich der Trachtenverein und seine Mitglieder als hervorragende Gastgeber für das Gaufest zeigen.