Reichersbeuern - Drei Wünsche hat der Dorfschmied frei, nachdem er dem
Esel eines mysteriösen Wandersmanns ohne materielle Entlohnung die Hufe
beschlug. Was dem überraschten Handwerker an Begehrlichkeiten einfällt,
ist menschlich - aber zu wenig durchdacht, wie sich letztlich herausstellt.
Zurück in vergangene Zeiten versetzt das Volksstück "Birnbaum und
Hollerstauden", das die Theaterer des Reichersbeurer Trachtenvereins
Oberländer am Freitag vor der am "Gori Stadä" aufgebauten
Kulisse erstmals aufführten. Zum 100-jährigen Bestehen der Theatergruppe
wollte man mit der Freilichtinszenierung etwas Besonderes bieten. Das ausgewählte
Stück von Josef Maria Lutz - von ihm stammt auch der populäre
"Brandner Kaspar" - vereint Dramatik, Werte und Witz in amüsanter
Weise.
Gespannt richteten sich die Augen der etwa 200 Zuschauer auf den unheimlichen Tod,
oder, wie er sich selbst vorstellt, den "Anderl vom Himmelfahrtsweg".
Mit hämischem Gelächter und Händereiben macht Jörg Neuschwender
diesem außergewöhnlichen Part alle Ehre. Der Anderl ist gekommen, um den
Schmied (Sepp Melf) zu holen, gerade jetzt, wo dieser endlich finanziell abgesichert
ist und seine Frau (Annemarie Ketelhut) ein Kind erwartet. "Dienst ist
Dienst", meint der Anderl unerbittlich. Doch selbst der Tod ist nicht gegen
menschliche List gefeit, und so bekommt Anderl wie später auch der nicht
minder erschreckende Teufel eine irdische Lektion erteilt. Rauch, Zischen und
Donnern, da öffnet sich der Boden und als diabolische Gestalt in Schwarz und
Rot gekleidet wirbelt Christine Bernöcker fauchend und seelenhungrig über
die Naturbühne.
Dass für alle Rollen Gesangseinlagen inbegriffen sind, stellte das Ensemble
unter Regie von Klaus Steinbacher vor eine zusätzliche Herausforderung. Dem
Beifall des Puplikums schloss sich Schauspieler Werner Rom an, der in der ersten
Reihe saß. "Es ist beachtlich, was so ein Haufen Theater-Versessener mit
minimalem finanziellen Aufwand auf die Beine bringt", urteilte er. Das
Laienspiel sei wichtiger kultureller Bestandteil und Basis für den Aufstieg
in die Profi-Liga.
Dass das Sterben und der Aufstieg in den Himmel einen Wunsch wert wäre,
offenbart sich dem Schmied-Ehepaar im Greisenalter: "Wir wandern in die
Ewigkeit. Der Weg ist schmal, der Weg ist weit", zieht es müden Schrittes
in die Nacht. Zum guten Schluss öffnete sich der Himmel - für die
Schmied-Leute, aber auch für einen Regenschauer.
Rosi Bauer